Mon March 23, 2020
20:30

Wojtek Mazolewski Quintet (PL)

Wojtek Mazolewski: bass
Oskar Török: trumpet
Marek Pospieszalski: tenor saxophone
Joanna Duda: piano
Qba Janicki: drums

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Wojtek Mazolewski (u. a. Pink Freud) gehört eher noch zu den Underground-Namen der polnischen Jazzszene. Der Bassist und Komponist trug dennoch durch Kollaborationen mit dem amerikanischen Avantgardisten John Zorn oder seinem eigenen Landsmann Tomasz Stanko mit dazu bei, dass die polnische Szene zu einer wirklich innovativen und spannenden der internationalen Jazzlandschaft zählt. „Polka“ (Worldwide Deluxe Edition) könnte ihm jetzt zu mehr Anerkennung im breiten Rahmen verhelfen, auch wenn es sich strenggenommen um eine Wiederveröffentlichung handelt. Das Album erschien bereits 2014 auf dem Kleinstlabel Agora und im Folgejahr in gekürzter Form bei Mystic Production. Whirlwind bringt jetzt das gesamte, größtenteils in den Studios von Radio Danzig eingespielte Material, um vier Bonustracks angereichert, in edler Aufmachung heraus. Bei den Zusätzen – sämtliche Stücke wurden remastert – handelt es sich um 2016er-Einspielungen. […] Doch was genau zeichnet „Polka“ nun als einem Re-Release-würdiges Werk aus? Zuvorderst seine melodische Erhabenheit im Kontext eines sehr anschaulichen Städte-Konzepts. Man reist mit diesem Album tatsächlich abwechselnd ins elegante „Paris“, exotische „Bangkok“ und nahezu elektronisch pulsierende „Berlin“, erlebt „London“ im Rahmen einer ausufernden Suite als von der Musik vieler Kulturen geprägte Metropole und begibt sich mit „Theme de Yoyo“ – im Original vom Art Ensemble Of Chicago – sogar in Funk-Gefilde, bevor alles in Free Jazz zu vergehen scheint. Darüber hinaus ist der Live-Charakter der Aufnahme außergewöhnlich unmittelbar. Die Stücke demonstrieren mit ihren Pop-Qualitäten Songwriting in Vollendung, und die Umsetzung ist mit teils atemberaubenden Soli nichts weniger als perfekt.
Fazit: Traditioneller Jazz von nahezu futuristischem Kolorit – auf „Polka“ verschmilzt eine klassische Combo-Besetzung rockigen Vorwärtsdrang mit orchestralem Kontrapunkt, amerikanischen Grooves und europäischer Bemessenheit zu einem beispiellosen Musikporträt einiger der größten Ballungsräume menschlicher Kultur auf der Welt. (Andreas Schiffmann)

Mit freundlicher Unterstützung des Polnischen Instituts Wien