Mo 26. April 2021
20:30

Chiara Pancaldi & Darryl Hall Quartet (I/USA)

Chiara Pancaldi: vocals
Darryl Hall: bass
Roberto Tarenzi: piano
Marco Valeri: drums

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(...) Seit Pancaldi im Jahr 2012 die Universität ihrer Heimatstadt Bologna mit einem Masterabschluss im Fach Jazz verlassen hat, tourt sie quer durch Europa: Sie gastiert in bedeutenden Jazzclubs zwischen London, Paris und Rom, ist regelmäßig auf Festivals zu hören und hat eine Reihe viel beachteter Tonträger eingespielt. Begleitet von ihrer Rhythm-Group überzeugte Chiara Pancaldi (...) mit ihrer stimmlichen Finesse. (...)

Beim eröffnenden „A Song of Life“ füllte Pancaldis Stimme den Jazzkeller zunächst in feinfühligem Piano mit einschmeichelnd schwingender, jedoch tragfähiger Stimme. Dann steigerte sich die Intensität des Ausdrucks, die Dynamik nahm Fahrt auf, das angenehme Timbre und eine klare vokale Linienzeichnung gaben dem Ganzen Kontur. In den instrumentalen Intermezzi brillierte der Pianist Vincent Bourgeyx mit glasklaren Tastengängen, Darryl Hall zupfte seinen Bass treffsicher und voller Inbrunst, während Schlagzeuger Roberto Pistolesi nicht nur für einen rastlos pulsierenden Drive sorgte, sondern auch immer wieder mit knackigen perkussiven Aktionen überraschte. Zartere Töne schlug das Quartett dann in Pancaldis wunderschöner Ballade „Our Time“ an. Nach verträumter, impressionistisch eingefärbter Klaviereinleitung zog die Sängerin über dezenter instrumentaler Grundierung spannungsvolle Melodiefäden, geschmeidig geformt und mit sparsamem Vibrato veredelt.

Zuvor hatte man in bester Swing-Manier „Better to grow“ gehört – ein Beispiel für die stilistische Bandbreite und Musizierfreude der Mannschaft um Chiara Pancaldi. Der Pianist hämmerte variantenreiche Akkordfolgen aus dem Flügel, Darryl Hall stieg auf dem Griffbrett tief in den Keller der Töne hinab und Roberto Pistolesi gab an den Drums Feuer. Manchmal war es des Guten fast zu viel, denn durch die ungestümen instrumentalen Aktionen wurde die führende Gesangsstimme etwas in den Hintergrund gedrängt. Doch Pancaldi wusste sich zu wehren, zog alle Register, erhöhte die Phonzahl und mutierte stellenweise zur Rock-Röhre. Die Qualitäten ihrer Stimme liegen jedoch in den eher leisen Registern, in denen sie kontrollierte Stimmführung, sensible Klangfärbung und Gefühlstiefe gleichermaßen ausleben konnte. Dies zeigte sich besonders eindrücklich in Pancaldis herrlichem Song „Precious“, in dem sich über dezenter Klavierbegleitung die volle Schönheit der Stimme entfaltete: Von fast gehauchten Vokalisen bis zu voll aufblühenden Tonsequenzen, von ruhigem Erzählton bis zu klar deklamierten Phrasen. Dabei unterstrich die Sängerin den Text durch eine dezent eingesetzte, jedoch treffende Gestik: Musik und Körpersprache verwuchsen zur Einheit.

Das Programm war in seiner Dramaturgie klug und stimmig aufgebaut. Melodiöses wechselte mit feurigen Husarenritten, stilistische Kontraste sorgten für die notwendige Würze. Und mit einer Mischung aus Balladen, fetzigen Swing-Nummern, Anklängen an den Scat-Gesang und Reminiszenzen an Latin und Soul steigerten Pancaldi und ihre Band die Spannung bis zum spritzigen finalen Höhepunkt mit Antonio Carlos Jobims Hit „Vivo Sonhando“. (Rainer Kellmayer, esslinger-zeitung.de)