Wed Sept. 15, 2021
20:30

CCJOP – Christoph Cech Jazz Orchestra Project (A)

Anna Anderluh, Thessa Habeler: vocals
Simon Frick: violin
Vincent Pongratz, Christopher Haritzer: clarinets
Viola Falb, Robert Schröck, Ilse Riedler, Manfred Balasch, Oleksandr Ryndenko: saxophones
Sebastian Höglauer, Markus Pechmann, Dominik Fuss, Joschi Öttl: trumpets
Georg Schrattenholzer, Jakob Mayr: trombones
Paul Amann: bass trombone
Simon Teurezbacher: tuba
Philipp Wohofsky: keyboards
Andi Erd: guitar
Philipp Kienberger: bass
Andi Senn: drums
Christoph Cech: piano, leader, all compositions

We start the live-stream (real time, stream is not on demand!) about 1/2 h before the show starts. By clicking on "Now Live" a window opens, where you can watch the concert free of charge and without any registration. If you want, you can support this project with "Pay as you wish". Thank you & welcome to the real & virtual club! Attention: From the 19th of November the 2G+-Regulation (vaccined or recovered PLUS a negative PCR-Test, which is not older than 48h) is active. Mask required till you are seated. Mask required till you are seated!

Sorry this part has no English translation

CC Jam but not only Blues
Der Titel des CC JOP Programms 2021 lässt vermuten, dass Christoph Cech – der seinem Porgy&Bess Publikum selbstverständlich auch heuer einige Uraufführungen servieren wird – vor hat, in seinen jazzorchestralen Konzeptionen das eine oder andere Thema aus dem Fundus der Jazzgeschichte zu zitieren, nicht nur vom großartigen Ellington und sicher eher Kompositionen, deren Bekanntheitsgrad durch jahrzehntelange Sessionpraxis eine gewisse Unerträglichkeit erreicht hat, sprich Kompositionen, welche eine Neudeutung dringend nötig haben. Neudeuten ist in Cech´s Komponierpraxis schon längere Zeit präsent, nicht immer freiwillig und ersehnt, aber letztlich fürs Publikum genussreich und für den Komponisten lehrreich – Mozart für die Nouvelle Cuisine Bigband, Zauberflöte für die HR Bigband, Monteverdi´s Orfeo für die Neue Oper Wien, um einige zu nennen.

Die Connaisseuses und Connaisseurs dürfen gespannt sein, was Christoph Cech mit seinem vital-virtuosen Riesenhaufen – in dem schon lang vor öffentlichkeitswirksamer Bigbandcorrectness immer junge MusikerInnen vertreten waren – aus so manchem Mainstreamkracher macht. (Pressetext)

The Matrix Of The Metrix
CC JOP - CHRISTOPH CECH JAZZ ORCHESTRA PROJECT Chapter Three: „Metrix“

Rhythmische, metrische Abstrusitäten und Verrücktheiten müssen zuhauf in Christoph Cechs Kopf herum wuseln. Ergo wirbeln sie gleichwohl durch seine irrwitzigen Partituren. Diese beschreiben das abschließende Kapitel der Jazz Orchestra Projekt Trilogie, welches sich primär um das musikalische Phänomen Metrum im Jazzidiom rankt. Cech besitzt die einzigartige Gabe, mit der nicht allzuviele Musiker aufzeigen können, diesen rhythmischen Fundus einem wirkmächtigen Ordnungsprinzip einzuverleiben. Ein Ordnungsprinzip das dieser unermüdliche Musikerfinder, aus dem die Ideen anscheinend unangestrengtest hervorquellen, nie in Künstlichkeit oder Schreibtischkonstruktivität ausarten lässt. So abenteuerlich auch die metrische Ordnung innerhalb eines Taktes, von Takten zueinander oder von Taktgruppen durcheinandergewirbelt wird, Cech lässt mit präzisem Fokus jede Sekunde die elementare Kraft des Metrums, des Beat spürbar werden. So intensiv er sich in den ersten beiden Kapiteln den harmonischen und melodischen „Unendlichkeiten“ zuwandte, so halsbrecherisch jongliert er nun mit rhythmischen Weg- und Unwegbarkeiten. Schon im Auftaktstück lief die Periodizität und Symmetrie der rhythmischen Akzentuierung auf lustvolle Weise „Amok“. Ungerade Taktarten flogen einem nur so um die Ohren. Off-Beat Feuerwerke zündeten unentwegt. Beispielsweise durchbohrte eine messerscharfe Melodierhythmik des Trompetensatzes, erweitert um zwei markante feminine Gesangsstimmen, die rhythmisch fließende Polyphonie des Saxophonsatzes. Die doppelt besetzte Rhythmusfraktion potenzierte, außerordentliche Gelenkigkeit aufbietend, die Druckwelle die der geschlossene Klangkörper aussandte mit verquerem Rockhabitus in aller Jazzoffenheit. Horizontweitend spielte Cech selbstredend auch diesmal mit der unorthodoxen Klangfarbigkeit seiner very big Band (26-köpfig).

Wenn er dem integrierten Streichquartett eine aparte Zwölftonreihe zuschreibt, fein gewebt, die plötzlich in stakkatohaftes rhythmisieren verfällt und sich mit Schärfe an den unsymmetrischen Blechbläserriffs reibt. Im nächsten Moment umspülen einen schon wieder komplizierte zusammengesetzte oder gemischte Taktarten. Das Orchester öffnete seinen klangfülligen Schlund. Es entsteigen ihm die Signale die auf die Vielfalt beim Umgang mit Deutlichkeit oder Auflösung, mit Determiniertheit und Unbestimmtheit in Cechs fulminant arrangierten Kreativakten verweisen. Allerdings ist sich Cech genau gewahr um die Wichtigkeit der Identität und Leidenschaft jedes(r) einzelnen Mitmusikers/Mitmusikerin um die Notentexte aufleben lassen zu können. Er wusste die organische Fortschreitung der Kompositionen in profundesten Händen. Damit im Einklang steht sein außergewöhnliches Sensorium für die Fähigkeiten und Neigungen jedes(r) einzelnen, daraus folgernd er in den Partituren die entsprechenden Auslassungen für die persönlichen Entäußerungen vorsieht. Nicht nur, dass die MusikerInnen grandiose Ensemblespieler sind, leuchteten sie gleichfalls als inbrünstige ImprovisatorInnen. Zwei, des jungen Jazzfreundeskreises erhellten diesmal besonders. Die Saxophonistin Astrid Wiesinger, die in ihrem Solo mit größtem Selbstverständnis Regionen zwischen Splitterklängen, stürmischen Glissandi, Extremfarben und sperriger Schlichtheit ausreizte bzw. Saitenwizzard Andreas Erd, der rockimmanente Frickelei überlegt mit Fantasiegesprudel aus dieser Umzäunung hinaus trieb. Ein Kind von Traurigkeit ist Cech ebenfalls nicht. Hinreißend legte er dies in der paraphrasierten Version des Pharoah Sanders/Leon Thomas Klassikers „The Creator Has A Masterplan“, die Cech zu „The Creator Has A Metrixplan“ ummünzte, dar. Oder wenn er ein auf arabischen Skalen basierendes Stück in „Kashmir“ auf „cechisch“ auslegt. In dieser Ton- und Taktart ging es weiter. Alles in einer schwerelosen Balance wo der Impuls die Reflexion ebenso anstacheln, wie das Kalkül die Geste beleben kann. Einer der ganz großen Apologeten des jazzorchestralen Voranschreitens, die dahingehende Tradition immer als „Neurotransmitter“ verstehend, ist Christoph Cech. Und ERhat den Masterplan für die Metrix. (Hannes Schweiger über das Konzert vom September 2018)