Mi 13. Juli 2022
20:30

Dave Holland / Zakir Hussain / Chris Potter 'Crosscurrents Trio' (GB/IND/USA)

Dave Holland: bass
Zakir Hussain: table
Chris Potter: tenor, soprano saxophone

Bassist Dave Holland und Saxofonist Chris Potter arbeiten schon seit über 20 Jahren zusammen. Das Zusammenwirken mit dem indischen Tabla-Spieler Zakir Hussain unter dem Namen Crosscurrents Trio, der auf dem Album nicht auftaucht aber für Live-Auftritte genutzt wird, ist hingegen recht neu. Hussain ist wahrlich kein Unbekannter, wirkte er doch schon in den 1970er Jahren in John McLaughlins Weltmusikband Shakti mit. Im Trio gelingt es den Dreien höchst elegant, Jazz und indische Einflüsse in acht Eigenkompositionen der Beteiligten miteinander zu verbinden. Das erste Stück, Potters »Ziandi«, beginnt mit Hollands sonorem bestens aufgenommenen Bass. Hussain steuert ruhige Percussion bei, bevor Potter mit seinem sofort erkennbaren Ton souveräne Melodielinien anstimmt. Holland und Hussain spielen ein meisterliches Duo, am Ende schaltet sich Potter nochmals ein. Hollands »Lucky Seven« entwickelt sich zu einem spannenden Trigespräch, diesmal mit Potter am Sopransaxofon. Hussain bringt zweifellos sein kulturelles Erbe ein, aber die meiste Zeit wirkt die Musik mehr jazzig als weltmusikalisch. Anspieltipp ist Potters Titelstück mit fesselnder Melodielinie, mitreißendem Rhythmus und virtuosen Soli der drei Musiker. Eine höchst gelungene Einspielung von drei Meistermusikern. (Hans-Bernd Kittlaus)

Eine grandiose Verschmelzung aus Jazz und indisch-orientalischer Musik von einer wahren Super­group. Man begann zu siebt, übrig blieben die „glorreichen drei“. Es war Tablavirtuose Zakir Hussain, der für die Non-Profit-Organisation SFJazz ein Projekt mit Jazzmusikern aus Indien plus Dave Holland und Chris Potter initiierte. Unter dem Bandnamen „Crosscurrents“ ging man als Septett auf Tour, reduzierte sich dann aber auf das musikalische Skelett Melodie, Bass, Rhythmus. Das „Crosscurrents Trio“ war geboren.

Auf dem Debütalbum macht der Kollektivname freilich den Einzelnamen Platz, fein in alphabetischer Folge: Holland und Hussein, zwei Altmeister, die den Jazz, seine Entgrenzungs- und Fusionstendenzen seit Jahrzehnten mitgeprägt haben; Potter, einer der profiliertesten Saxofonisten der jüngeren Generation.

Jeder von ihnen bringt zwei, drei Stücke mit – Holland sinnigerweise gerade solche („Mazad“, „Bedouin Trail“), die er schon 1997 für Anouar Brahems fantastisches Trioalbum „Thimar“ (mit John Surman) konzipierte. Die neuen Versionen sind ebenso wenig indische, wie die damaligen tunesische Musik waren, doch hier wie da fügen sie sich in ein faszinierendes, „indo-orientalisch“ gefärbtes World-Jazz-Ganzes. Die beiden „Westler“ agieren mit Hussain auf einem Level, das keine Genregrenzen kennt. Ihre beseelten Binnendialoge mit dem Tablameister sind von den „Twos“ und „Fours“ (Zwei-/Viertaktwechseln) des Bop ebenso inspiriert wie von klassischer indischer Musik. Wenn Sax und Bass sich am Klackern und den „Schluckauf“-artigen Glissandi seiner Trommeln hochschaukeln, sind das „Gespräche“ lebendigster Art. (Berthold Klostermann)