Sa 1. Januar 2022
20:30

Karl Ratzer Quartet (A/USA)

Karl Ratzer: guitar, vocals
Ed Neumeister: trombone
Peter Herbert: bass
Howard Curtis: drums

Der jazzharmonische „Jahreseinklang“ liegt in liebgewonnener Tradition in den „goldenen Händen“ von Karl Ratzer. Er und seine Mannen betreten die Bühne und Momente später sitz einem einer dieser magischen Ratzer-Akkorde im Nacken. Verklungen, mäandert zunächst in offener Form eine feingliedrige Kollektivimprovisation, im ratzerschen Kosmos in solcher Prägung ein Novum, einher. Punktgefasstes, freies Klangfarbenspiel tropft plötzlich ebenso selbstverständlich von Ratzers Fingern. Folglich gerinnts zu einem inbrünstigen Blues. Federnd und gelöst in der Rhythmik. Dorthin entführt vom vielleicht besten Gespann in jener Umgebung: Herbert & Curtis. Ratzer beginnt eine Serie von Soli, im vielgerühmten Eigensinn, in denen er die harmonische Außenhaut überlieferter Standards sowie die seiner, in der Gemengelage Jazz/Blues/Soul brodelnden Erfindungen neu aufzieht. Und fallweise mit seinem „Kauderwelsch-Croonen“ das Geschehen zusätzlich emotionalisiert. Gleichsam legt der umwerfende Könner Ed Neumeister ein entsprechendes Quantum Gefühl offen. Individuell im Tonvorrat bis hin zum Geräusch und Multiphonics. Generell verblüffend, die kollektiv nun erreichte Leichtigkeit dieser Mischung aus notatorischer Festlegung und spontanen Inventionen. Das Feuerwerk der Klänge und Grooves zündet. In kontinuierlichen Abständen liest man über den Einfluss künstlicher Intelligenz im Musikschaffen. Angesichts der vom Ratzer Quintett demonstrierten musikalischen Intelligenz, menschlichen Gefühlsmacht, dem narrativen Vermögen aus begnadeten Händen, wird die KI mit ihrer algorithmischen Starre eine musikgeschichtliche Fußnote bleiben. (Hannes Schweiger)