Fr 27. November 2020
20:00

Waldeck 'Grand Casino Hotel' (A)

Klaus Waldeck: piano, organ
Patrizia Ferrara: vocals
Gerald Selig: saxophone, flute
Thomas Hechenberger: guitar
Jürgen Bauer: bass
Hermann Aigner: drums
Ronja Räuberstochter: backing vocals

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Seit Ende der 1990er gilt der Wiener Musiker Klaus Waldeck als international gefeierter Spezialist für Downtempo-Songs, die er gern auch im Kleid der 1920er Jahre präsentiert. Waldeck, so der Künstlername des gelernten Anwalts, machte schon Elektro-Swing da gab es dieses Label noch gar nicht.

In der Zwischenzeit hat er seinen Sound immer weiter verfeinert und sich auf unterschiedlichen Alben etwa dem Jazz oder dem Sound des Spaghetti Western verschrieben. Zwei Jahre nach seinem bislang letzten Album „Atlantic Ballroom“ lädt Waldeck nun ins „Grand Casino Hotel“, so der Titel seines sechsten Albums.

Weil die größte Freiheit immer noch im Kopf ist und Waldeck schon lange genug hat von der Last des Elektroswing Labels geht er kurzerhand auf Reisen. Fährt die Highways Amerikas entlang und liefert mit Grand Casino Hotel ein Roadmovie-Album ganz ohne stinkende Abgase und quietschende Reifen.

„Heutzutage in der Welt der Algorithmen ist alles so engmaschig. Insofern ist das Thema Roadmovie auch der Versuch, aus diesem engmaschigen System auszubrechen“, charakterisiert der Wiener Musiker sein neuestes Werk.

Waldecks Weinkeller
Vom bislang letzten Waldeck Album „Atlantic Ballroom“ blieben dem produktiven Tüftler an die 30 Songs übrig, manche davon eine erste Vorahnung dessen wohin die Reise gehen könnte. Waldeck umschrieb diese Tracks damals als „Las Vegas Ballroom“ und assoziierte sie bereits mit dem amerikanischen Highway. Doch gut Lied braucht Weile, das gilt insbesondere für Waldeck. „Ich vergleiche das manchmal mit einem alten Weinkeller, wo die Dinge eben reifen. Da muss man dann den richtigen Moment finden, um den Weinkeller zu öffnen und es einem Publikum zu präsentieren.“

Waldecks musikalischer Weinkeller erwies sich erneut als ideale Umgebung, denn auch der 2020er Jahrgang entfaltet das ganze Spektrum, für das der Musiker seit jeher geschätzt wird: atmosphärisch dichte Stimmungsbilder, hier dargeboten als Weitwinkel-Schnappschüsse vom Set eines fiktiven Filmdrehs.

On The Road
Musikalisch reduzierte Waldeck über die Jahre die elektronischen Anteile, komponiert heute dafür verstärkt auf dem wieder aktivierten Klavier. Die Sängerinnen Patrizia Ferrara und Zeebee, die Waldeck seit den Ballroom Stories 2007 begleitet, sind Teil der Reisegesellschaft. Ebenso wie Joy Malcolm und Sänger Carl Avory, dessen Auftritt im Song „Hold Me Tight“ mühelos auf jedem Quentin Tarantino Soundtrack Platz finden könnte. Waldecks Roadmovie in 12 Etappen versucht auch, den Geist der Beat Generation tief zu inhalieren, die Aufbruchstimmung von Jack Kerouac etwa oder das nervöse Suchen eines Allen Ginsberg, das Beschwören der Straße als ur-amerikanische Utopie.

Ein versunkenes Amerika
„Grand Casino Hotel“ ist ein Bilder- und Assoziationsreigen, der bis in die aktuelle politische Gegenwart reicht. „Man hat bestimmte Bilder eines versunkenen Amerika im Kopf“, sagt Klaus Waldeck. „Insoweit als gerade ein bestimmter Präsident versucht, das Land zu demontieren, obwohl er das Gegenteil behauptet, ist es ein sehr aktuelles Thema. Mein Album behandelt natürlich auch das Thema Freiheit.“

Ob das Grand Casino Hotel am Beginn oder am Ende dieses Trips liegt scheint sekundär. Es könnte jedes noch so schäbige Motel entlang des Highways sein, Waldeck wertet es mit diesen Songs voll Verve und Klasse zur noblen Adresse auf. Ein Roadmovie mit Happy Ending. (David Baldinger, Ö1)