Tue Jan. 21, 2020
20:30

Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna / Duo 4675 (A)

Orjazztra piccola – Duo 4675
Astrid Wiesinger: alto, soprano saxophone
Beate Wiesinger: bass

Orjazztra Vienna
Lisa Hofmaninger, Astrid Wiesinger, Ilse Riedler, Gerald Preinfalk, Robert Unterköfler, Florian Bauer: saxophones
Gerhard Ornig, Dominik Fuss, Lorenz Raab: trumpets, fluegelhorns
Alois Eberl, Daniel Holzleitner: trombones
Tobias Ennemoser: tuba
Philipp Nykrin: piano
Beate Wiesinger, Judith Ferstl: bass
Judith Schwarz, Marton Juhasz: drums, percussions
Christian Muthspiel: compositions, musical director

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Christian Muthspiel, unangefochtene österreichische Jazz-Zentralfigur mit entgrenzter Bedeutung als Improvisator, Komponist, Dirigent der Metiers Jazz und Klassik, hat nach Jahrzehnten der Musikerkundungen in kleinen wie großen Ensembleumgebungen, und speziell angeregt von den Begegnungen mit orchestralem Format im Klassikbereich, eine unaufhörlich in ihm gärende Vision in die Tat umgesetzt. Er hat den „Planeten Jazz-Orchester“ betreten. Dort hat Muthspiel seinen Aktionsbereich, gemäß einem weiteren wichtigen seiner Anliegen, mit jungen Kreativbegabungen der hochqualifizierten Jazzszene hierzulande bevölkert, kollektiviert unter dem originellen Namen ORJAZZTRA. Zusätzliche Konzeptionsidee für die aktuelle saisonale Stageband-Serie: Feature einer inländischen „New Generation“-Band. The young power is erupting. Groß, wie das Orjazztra davon genährt wird. Da bedarf es weiters eines Meisters, der dieses Potenzial zu bündeln versteht. Muthspiel muss dies nicht beweisen, er bringt es zur Blüte. Schon die Besetzung zeigt, dass Muthspiel einen nicht normierten Weg eingeschlagen hat. Rhythmisch, harmonisch, formal individuell schlussfolgernd von tradierten Big-Band-Schemata losgeeist. Er hat einen musikalischen Korpus ersonnen, anhand dessen er auf die Mentalität jedes Orchestermitgliedes bedacht nimmt. Einhellig die Balance zwischen Spontanem und Fixiertem. Kompositorisch, arrangementtechnisch verfolgt Muthspiel einen Dialog des Differenten. Seine Voicings strotzen vor Eigenheiten. Schwebende Komplexität der Architektur – jedoch nie als Selbstzweck. Deren Vielgestaltigkeit bewirkte glühende Begeisterung im Ensemble. Davor positioniert Muthspiel, körperhaftes Dirigat praktizierend. Er stand unter Strom. Er leitete nicht nur enthusiastisch, sondern verleitete seine PartnerInnen zu wirkmächtigen Improvisationen. Instruiert zusätzlich von außerordentlich elastischen Bewegungsmustern als „swinging affairs“, rockiger Punch, metrische „Ordnungswidrigkeiten“. Worauf Muthspiel sein Orchester-Konzept fußen lässt, ist die Jazz-Genese. Anknüpfend an wegweisende Schritte solch orchestraler Reformatoren: Gil Evans, George Russel, Carla Bley, mathias rüegg, Christoph Cech. Der Komponist/Konzeptionist bezieht unweigerlich sein eigenes Refugium. Trotz aller Raffinessen, Verschachtelungen, komplizierter Strukturen hat der „Klangerzähler“ Muthspiel eine in Verbindung zum Leben (im Speziellen natürlich zu seinem) stehende, selbstverständlich fließende Klangwelt enthüllt. Zusammen mit einer fantastischen ExpertInnengruppe. Man wird noch Ohren machen. (Hannes Schweiger über das Konzert vom 27. November 2019)