Mi 28. April 2021
20:30

Masahiko Satoh / Otomo Yoshihide / Roger Turner 'The Sea Trio' (J/GB)

Masahiko Satoh: piano
Otomo Yoshihide: guitar
Roger Turner: drums

Ich habe schon früher mit Otomo gespielt. Wir haben ca. 1995 in Macau eine Woche lang gemeinsam mit Carlos Zingaro an einer Tanzperformance gearbeitet und auch eine CD mit einem Septett aufgenommen, bei dem Lauren Newton und Zeena Parkins mitgewirkt haben. Ab und zu spielen wir Duo-Konzerte und haben als Duo auch zwei CDs veröffentlicht. Vom legendären Masahiko Satoh hatte ich schon viel gehört, und das Niveau seiner Arbeit mit den New Yorker Top-Jazzmusikern in den 1970ern und 80ern hat mich beeindruckt, etwa auf „Amalgamation“ aus dem Jahr 1971 mit unglaublichen Electronica und Horn Sections mit traditionellen japanischen Musik-Motiven sowie Louis Hayes am Schlagzeug. Sehr offene Musik, allen Konventionen trotzend ‒ auch denen der westlichen Improvisationstradition!
Satoh-san hat auch Avantgarde-Masterpieces wie etwa „Metempsychosis“ für den berühmten Stomu Yamashta geschrieben. (Mehr zu Satohs unglaublichem Output findet sich in Julian Copes fantastischem Buch „Japrocksampler“, das sich mit der inspirierenden Musik beschäftigt, die in Japan ab den 60ern gespielt wurde.)
Und Otomo-san kennen wir alle. Er wurde vielleicht zum bekanntesten japanischen Musiker im Westen, als er Turntables einsetzte, um einzigartige Sounds in alle möglichen musikalischen Settings zu feuern. Heute – eigentlich schon lange – spielt er E-Gitarre mit seiner eigenen Band.
The Sea Trio traf sich in der legendären Egg Farm nahe Tokyo und bespielte die Halle dort, einen intimen Konzertraum mit Holzwänden und einer großartigen Akustik, den auch Derek Bailey und Steve Lacy schon geschätzt haben. Ich hatte das Glück, dort in den letzten Jahren regelmäßig auftreten zu können – etwa im Duo mit dem Pianisten Yuji Takahashi und dem Tänzer Min Tanaka, und auch mit Masahiko. Saito-san, der sich um die Farm und auch die Musik kümmert, hat das Trio zusammengestellt. Das erste Konzert wurde aufgenommen und von Doubt Records veröffentlicht. Wir wollten wieder spielen und wurden vom bekannten Pit-Inn in Shinjuku/Tokio gebucht. Der Club war voll und der Gig wurde für das New Yorker Label Relative Pitch Records mitgeschnitten. Und diesen Dezember kehrt dasTrio wieder auf die Egg Farm zurück. (Roger Turner)

Der britische Schlagzeug-Pionier Roger Turner im Trio mit Otomo Yoshihide und Masahiko Satoh – zwei Gallionsfiguren der freien Szene Japans.

Roger Turner, Mitbegründer der europäischen Improv-Szene, ist seit einigen Jahren Teilzeitjapaner: Neben seinem Wohnort London hält er sich in den letzten Jahren oft in Tokio auf. Eine musikalische Nähe zur japanischen Szene gab es da wohl schon länger - erste Projekte mit Otomo Yoshihide fanden bereits Mitte der 1990er-Jahre statt - jetzt aber kam zur musikalischen Nähe noch eine geografische und so entstand 2015 dieses Trio, das nun erstmals in Europa auftritt. Pointillistische Klanglandschaften wechseln sich hier ab mit intensiv treibendem Freejazz, um gelegentlich auch mal in avantgardistisch experimentellem Noise zu landen - oder - wie Roger das formuliert: „It can boil!“

Masahiko Satoh (*1941 in Japan) studierte Klavier und Komposition in Berklee/USA. Seit Ende der 1960er Jahre veröffentlicht er Aufnahmen eigener Projekte mit Musikern aus allen Teilen der Welt. In den 70ern entstanden wichtige Aufnahmen mit Attila Zoller und Albert Mangelsdorff. In den 80ern folgte ein sehr erfolgreiches US-Trio mit Eddie Gomez und Steve Gadd. Kooperationen in der jüngeren Vergangenheit u.a. auch mit Ken Vandermark und Paal Nilssen Love.

Otomo Yoshihide verbrachte seine Kindheit in Fukushima, etwa 300 km nördlich von Tokio. Inspiriert von der Ingenieurstätigkeit seines Vaters, begann Otomo schon früh mit diversen Elektrogeräten zu basteln um schließlich bei den klanglichen Aspekten derartiger Maschinen zu landen. Nach ersten Soundcollagen mit Tonbandgeräten gründete er schließlich eine von Ornette Coleman und Derek Bailey gleichermaßen beeinflusste Jazz/Rock-Band, in der er Gitarre spielte. Der weltweite Durchbruch gelang ihm in den 1990er Jahren mit seiner inzwischen legendären Band "Ground Zero". Hierzuorts war er zuletzt 2008 mit seinem phantastischen New Jazz Orchestra zu hören. (Pressetext)