Di 31. März 2020
20:30

Théo Ceccaldi Trio 'Django' (F)

Théo Ceccaldi: violin
Valentin Ceccaldi: cello
Guillaume Aknine: guitar

Der französische Geiger Theo Ceccaldi gehört zu den spannenden Stimmen des jungen europäischen Jazz. Mit seinem String-Trio hat er jetzt ein weiteres Album vorgelegt: eine Hommage an den legendären Gitarristen Django Reinhardt.
Das Stärkste, was Django Reinhardt je auf der Gitarre gespielt hat, war immer auch ein Plädoyer für Eigenständigkeit, für eine radikale Individualität. Als er mal mit dem Ellington-Orchester spielte, da fragte ihn der Duke, in welchem „Key“, in welcher „Tonart“, er das nächste Stück denn spielen wolle. Worauf Reinhardt, der nur gebrochen Englisch sprach, antwortete: „Key? Es gibt keinen Schlüssel. Legt einfach los!“
Django Reinhardt – die Auseinandersetzung mit seiner Musik ist fast unvermeidbar, wenn sich in Frankreich ein String-Trio mit Geige, Cello und elektrischer Gitarre gründet. Das Theo Ceccaldi Trio aber stolpert nicht in die Imitationsfalle, in der die meisten Interpreten landen, die sich mit Django Reinhardts Manouche-Swing beschäftigen. Nur zwei der acht Tracks sind Cover-Versionen von Django-Reinhardt-Stücken. Alle anderen sechs Tracks sind Original-Arrangements des Ceccaldi-Trios. Gezielt greift es Motive, Bilder und Fragmente aus der Musik des großen Gitarristen auf und wandelt sie konsequent in eigene Ideen und Sounds um: Django Reinhardts Musik als Steinbruch fürs Anderssein.
Theo Ceccaldi an der Geige, sein Bruder Valentin Ceccaldi am Violoncello und Guillaume Aknine an der elektrischen Gitarre - sie jonglieren mit Fetzen von Djangos Musik. Und sie heben ab. Im Luftkissenboot ihrer Fantasie gleiten, rasen, schweben die drei Musiker über die Wellen und Wogen von Django Reinhardt Manouche-Swing. Die Musik ist auf eine weitgehend sanfte Art durchgeknallt. Und ein Fest der Gegensätze. Vom Schmuse-Swing bis hin zum frenetischen Free-Jazz-Koller ist alles drin. Und so kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Von einem Moment zum anderen verwandelt sich das String Trio von einer kammermusikalisch swingenden Gypsy-Kapelle in einen sich wiederholenden Sequencer und dann wieder in ein Jazz-Rock-Ensemble, das brachial a la Mahavishnu Orchestra lospumpt.
Anders als Django Reinhardt hält sich das Trio solistisch zurück, setzt mehr auf das Prinzip ausbalancierter Melodien. So pendelt man zwischen kühnem Ausdruck und subtilen Träumereien, wobei die Kompassnadel oft in Richtung Humor ausschlägt. Das ist mit viel Chuzpe gespielt, in weiten Strecken mit Mut zur Entschleunigung und zum radikalen Understatement und dann wieder (kurz) mit dem Drang zur wilden Raserei. Dieses String Trio kann explodieren wie ein Knallfrosch. Und im nächsten Moment kann es sich ans Ohr schmiegen wie eine Federboa.
Dabei zeigt das Theo Ceccaldi Trio ganz nebenbei, dass unsere Vorstellung von dem, was „Gypsy Jazz“ ist, verengt ist. Was viele für eine entspannt swingende Musik für einen netten Schwoof zu Baguette und Pernod ist, wird beim Theo Ceccaldi Trio zu einem Fanal für selbstbewusste Persönlichkeit.
So erinnert uns das Album „Django“ daran, dass der erste stolze Ansatz eines europäischen Jazz nicht in den Reichenvierteln der Städte entstand, sondern an der Peripherie der Gesellschaft, im Wohnwagen eines Outsiders. „Django“, diese Hommage mit Vision, plädiert zugleich auf wunderbar unterhaltsame und kreative Weise dafür, dass der Traum von neuen Klängen im Europa-Jazz noch längst nicht ausgeträumt ist. (SWR2 Treffpunkt Klassik)