So 25. März 2018
20:30

David Friesen & Joe Manis (USA)

David Friesen: bass, piano
Joe Manis: tenor, soprano saxophone

It’s been said of David Friesen that He does for the art of bass playing what Pythagoras did for the triangles. (Patrick Hinely, Jazz Times)

Geschmackvolle Leisetreter – David Friesen und Joe Manis im Frankfurter Jazzkeller
Ein wenig Nostalgie kann sich David Friesen nicht verkneifen. 1962 sei er zum ersten Mal im Frankfurter Jazzkeller aufgetreten, erinnert er sich zu Beginn. Damals war Friesen als junger Soldat in Europa stationiert und spielte noch hauptsächlich Gitarre. Später avancierte er zu einem prägnanten Bassisten des amerikanischen Jazz, an der Seite von Stars wie Chick Corea und Michael Brecker, aber auch als Bandleader. Anfang Mai kann der Musiker und Komponist aus Portland, Oregon, seinen 75. Geburtstag feiern. Die aktuelle Tour hätte er ohne Gesichtsverlust absagen können, war sie doch ursprünglich mit dem ebenso berühmten Kontrabass-Kollegen Glen Moore geplant. Seite einem halben Jahrhundert spielen die beiden immer wieder zusammen, wegen eines Todesfalls in der Familie musst Moore diesmal absagen. So sitzt nun, kurzfristig eingesprungen, der wesentlich jüngere Saxophonist Joe Manis neben David Friesen. Die Stimmung im Jazzkeller ist von Anfang an aufmerksam, beinahe andächtig, und bleibt auch für gut eineinhalb Stunden ohne Pause so. Kein Geflüster oder sonstige Geräusche behelligen die Musik. In seinen vielen Moderationen kann Friesen auf ein Mikrophon verzichten, muss seine Stimme nicht mal besonders anheben. Der ohnehin schon intime Club wird unvermittelt zum Wohnzimmer, zumal Friesen und Manis an diesem Abend sich ganz auf kammermusikalisches, nuanciertes Spiel fokussieren.
Für das dritte Stück wechselt David Friesen erstmals an den Flügel, entspinnt eine zarte Piano-Ballade, die auch in einer Bar nach Mitternacht passen würde. Was Eleganz angeht, stehen sich Friesen und Manis um nichts nach. Beide scheinen bisweilen ihren eigenen Tönen nachzulauschen, zeigen eine konzentrierte, gleichzeitig aber auch souverän-entspannte Haltung. Mans’ Ton auf Tenor- und Sopran-Saxophon bleibt durchgängig sonor, häufig lassen sich dahinter noch Atemgeräusche, das Rauschen der Luft durch Röhren und Klappen ausmachen. Lediglich in zwei oder drei kurzen Momenten bläst er etwas druckvollere, angerauhte Noten und lässt ahnen, welche Kraft er innerhalb einer lauten Band entwickeln kann. Während die Dynamik des Duos innerhalb einer recht engen Spanne verharrt, wechseln immerin die Tempi. Sie reichen von kontemplativen Passagen bis zu Grooves, die sogar zum Mitwippen animieren können.
Das Klangspektrum seines Hemage-Basses, eines Zwitters aus Kontrabass-Griffbrett und E-Bas-Körper, erweitert Friesen einmal mit dem Bogen und häufiger durch elektronische Effekte. Echo und Hall kommen pointiert zum Einsatz, mehrfach bastelt Friesen per Looper zwei- oder dreistimmige Arrangements, etwa aus verschiedenen gezupften Phrasen sowie mit den Händen auf den Bass geklatschten Rhythmen. Dadurch bekommen manche Stücke einen fließenden Charakter; wo rhythmische Muster und parallel gespielte, melodische Motive sich verschlingen, kann unprätentiöse Leichtigkeit entstehen. Offenkundig hat Friesen auch Humor, zudem steht seine Fingerfertigkeit in komplexen Skalen, Doppelgriffen und hart angeschlagenen Akkorden außer Frage. Manche seiner Kompositionen und Improvisationen lassen, besonders wenn er Klavier spielt, eine Nähe zur europäischen Romantik anklingen. Andererseits kann er unvermittelt auf der japanischen Flöte Shakuhachi ein fast schamanisch angehauchtes Motiv einflechten. Das feinsinnige Zusammenspiel von David Friesen und Joe Manis, einige überraschende Details und die insgesamt warmherzige Stimmung tragen durch das Konzert asu der beidseitigen Zurückhaltung resultieren. (Norbert Krampf, FAZ, 23. März 2017)