Fr 17. November 2017
20:30

Ron Carter Golden Striker Trio (USA)

Ron Carter: bass
Donald Vega: piano
Russell Malone: guitar

Ron Carter: Die Kunst jazziger Aphorismen

Der Bassist gastierte im Porgy & Bess

Trompetengrübler Miles Davis, bei dessen zweitem Quintett Ron Carter in den 1960ern einiges im Sinne der Jazzmoderne beizusteuern geruhte, würde sich wundern, wohin es den Kollegen mittlerweile hinverschlagen hat. Im Porgy klingt alles ausgewogen, erinnert ein bisschen an die geordnete Kammermusik des Modern Jazz Quartet: Klar erkennbar sind die Themen, die also eher keiner Verfremdung unterzogen werden.

Das liegt auch an der Musikerauswahl: Mit Gitarrist Russell Malone und Pianist Donald Vega hat Carter zwei brave Jungs an seiner Seite, die sich tief in die bekömmliche Jazzgeschichte eingraben. Besonders Malone wirkt wie eine nur zart weiterentwickelte Variante von Gitarrist Herb Ellis. So hat das schon in den 1950ern geklungen, was Malone da an knappen Phrasen von sich gibt. Und wenn er in einem Stück, das Gitarrist Jim Hall gewidmet wird (Candle Light), Arpeggi zelebriert, bringt der schöne Ton nur Barstimmung hervor.

Carter selbst allerdings ist nach wie vor der subtile Tieftonvirtuose. Er hat den Bass einst aus der Rolle des dienstbaren Assistenten mitbefreit und zum Soloinstrument entwickelt. Und viele seiner improvisatorischen Einwürfe, die immer in Zimmerlautstärke daherkommen, sind nach wie vor exquisite Zeugnisse einer Inspiration, die allerlei Stile meisterhaft, also spielerisch beherrscht.

Da ist dann plötzlich ein Sechzehnteltriolen-Schlenker im Sinne Charlie Parkers zu hören. Da wird eine markante Phrase aufgegriffen und subtil variiert. Und selbst wenn Ron Carter (Jahrgang 1937) seinen Kollegen den Soloraum überantwortet, lohnt das Wahrnehmen seiner Begleitlinien. Sie sind nie wirklich voraussagbare kleine aphoristische Kunstwerke. Weise Begleitung und witziger Kommentar - quasi in einem. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 12.11.2013)