Di, 25.09.2012
Rusconi „Revolution“ (CH)

20:30 h
     
 

 

  Stefan Rusconi: piano
Fabian Gisler: bass
Claudio Strueby: drums


  Ein Jazz-Trio, das über sich selbst sagt: „Wir spielen 'Improvised Pop'“. Rusconi haben tatsächlich ihre eigene musikalische Klangfarbe entwickelt. Das mag auch daran liegen, dass Bandkopf und Jazz-Pianist Stefan Rusconi mit Sonic Youth aufwuchs – und die Schweizer den US-Noiserock-Heroen zuletzt ein komplettes Album widmeten. Zwei Songs des Vorgängers finden sich in Liveversionen auch auf „Revolution“. Das passt ins Bild, prägen doch unzählige Konzerte den aktuellen Status Quo des Trios. Und der hat die ausgetrampelten Pfade der klassischen Jazz-Interpretation längst verlassen: Perkussive Elemente befördern bei „Hits Of The Sunshine“ im Ansatz so etwas wie Tanzbarkeit. Und welcher Jazzbasser arbeitet schon regelmäßig mit Distortion, wie es Fabian Gisler mag („False Awakening“). Drummer Claudio Strueby schlägt die Snare im Jazzkontext zudem manchmal recht straight bzw. untypisch hart. Rusconi lassen sich hörbar von der Popmoderne inspirieren. „Massage The History Again“ wartet mit Parts auf, die dank viel Blech und Verzerrung eher nach Experimentalrock als nach Jazz klingen. „Tempelhof“ kommt dem Pop vielleicht am nächsten und erinnert passagenweise gar an James Blake. Lässig melancholisch und leicht segelt die Klavierimprovisation von „Milk“ über Bassostinati und funky Backbeatfeeling dahin. Die Basisstruktur von „Kaonashi“ könnte – abgesehen von den Vokallautmalereien, mit denen Rusconi erstmals operieren – die Blaupause für eine Blackmusic/Pop-Nummer sein. Danach fährt die Songstruktur tempomäßig in Richtung Rock ab. Auch der Kooptrack mit dem britischen Avantgarde-Gitarristen Fred Frith unterstreicht das Alleinstellungsmerkmal der Schweizer: Überlang mäandert „Alice In the Sky“ als echtes Hörabenteuer mit immer neuen Sounds und Effekten und psychedelisch kontemplativer Atmosphäre.
Viele Dinge haben sich seit der letzten Platte geändert, etwa die Trennung vom Major-Label: Rusconi besitzen nun wieder die volle Kontrolle über ihre Musik. Erstmals nahmen sie selbst auf, mischten ab, masterten und stellen ihre Platte nun zum Free Download auf ihrer Seite zur Verfügung. Die visuelle Sprache in Form von Videos oder Coverartwork ist dem Trio übrigens ebenfalls wichtig. Und Zufall oder nicht: Irgendwie assoziiert man Stefans aktuellen Style mit den Zürcher Kollegen von Yello. Wie auch immer: Jazz- und Rockfreunde können bei Rusconi gleichermaßen ankommen – vorausgesetzt sie lassen puristische Sichtweisen hinter sich. Und der nächste Schritt für Rusconi? Kann eigentlich nur noch die Integration von Gesang und Text sein. (Eberhard Dobler)

 
Eintritt:
EUR 18,00
 


 
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