17. Juli 2018
Von Christoph Huber

Tätigkeitsbericht 2018

Das Porgy & Bess ist einer der besten Live-Clubs in Europa und ich freue mich immer, wenn ich dort auftreten kann. (Lee Konitz)

Allgemein: Das Porgy & Bess versteht sich als Jazz & Musicclub mit pluralistischem Programmangebot. Das Porgy & Bess fungiert als Ort der musikalischen Begegnung, Auseinandersetzung und Konfrontation für Musikerinnen und Musiker sowie Publikum. Hauptaugenmerk liegt auf der Realisierung einer Struktur, welche die vielfältigen Artikulationsmöglichkeiten der heimischen (Jazz-)Szene bzw. neue Entwicklungsperspektiven berücksichtigt (z. B. die Arbeit mit internationalen Gastmusikerinnen und -musikern). Des Weiteren ermöglicht ein Club, der als „meeting point“ der heimischen kreativen Szene fungiert, Erfahrungsaustausch über stilistische und ästhetische Grenzen hinweg, ist Experimentierfeld für unterschiedlichste Projekte, die nicht dem Diktat eines „ultimativen Statements“ unterliegen müssen, ein Podium für kontinuierliche Weiterarbeit und -entwicklung. Eine Hauptintention des Porgy & Bess ist die Kooperation heimischer Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster künstlerischer Herkunft, was der Tendenz einer musikalischen Ghettoisierung entgegenwirkt.

Die europäische Jazzszene hat sich in den letzten Jahrzehnten endgültig als eigenständige und innovatorische Kraft im Jazz etabliert. Nachdem sich das P&B als europäischer Jazzclub definiert, ist es selbstverständlich, kreatives europäisches Musikschaffen zu präsentieren. Kooperationen mit europäischen Partnern sowohl in der Club- (Moods/Zürich, Stadtgarten/Köln, Unterfahrt/München, AMR/Genf, Bimhuis/Amsterdam ...) als auch in der internationalen Festivalszene (Le Mans, Moers, Berlin, Sarajevo, Ljubljana ...) beleuchten verstärkt differenzierte Bereiche außerösterreichischer Improvisationsauffassungen. Intensive Kontakte vor allem mit Veranstaltenden und Musikschaffenden des ehemaligen Ostblocks (Slowakei, Tschechien, Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien, Litauen, Russland, Estland, Serbien-Montenegro, Kroatien, Albanien ...) führen zu einem internationalen Kulturaustausch (siehe Festivalserie „Step across the border“).

Jazz wird historisch als afro-amerikanische Musik definiert, und immer noch kommen innovatorische Impulse aus dem „Mutterland des Jazz“: zwei gute Gründe, warum einerseits die großen amerikanischen Solistinnen und Solisten dieser Musik, andererseits auch die nachstrebenden Generationen programmatische Berücksichtigung finden.

Zu den Facts: Der „Hauptraum“ des P&B wurde 2018 an 343 Tagen mit insgesamt 380 öffentlich zugänglichen Produktionen bespielt. Dazu kamen 77 Konzerte in der Strengen Kammer und 12 Vernissagen in unserem Ausstellungsraum, der Public Domain. Im Jahr 2018 besuchten 80.254 Personen die Veranstaltungen im P&B. Insgesamt wurden in diesem Jahr 472 Veranstaltungen in den unterschiedlichen Räumen des P&B organisiert.

Das Gesamtbudget des P&B betrug 2018 rund 1,78 Mio €. Das Bundeskanzleramt unterstützte den laufenden Betrieb mit 150.000 €, die Stadt Wien mit 110.000 €, was einer Subventionierung in der Höhe von unter 14,6 % des Gesamtbudgets entspricht, die Eigendeckung beträgt demnach über 84 %! Knapp 2,2 % stammten von Sponsoren wie Ottakringer, AKM, Austro Mechana, Veranstalterverband, Universal, ORF, AKG ... (Seit 2015 müssen wir den Ausfall unseres Hauptsponsors, der in der Vergangenheit fast 10 % des Jahresbudgets zur Verfügung stellte, kompensieren!) Die Eintrittseinnahmen liegen bei fast 70 %. Die restlichen Gelder stammen aus Vermietungen und hauptsächlich aus der verpachteten Gastronomie.