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(Entstehungs)geschichte des Jazz & Music Clubs Porgy & Bess
Als mich mathias rüegg im Herbst 1993 mit der Frage konfrontierte,
ob ich mir vorstellen könne, gemeinsam mit Renald Deppe, Gabriele
Mazic und ihm einen kontinuierlichen Jazzklub in der ehemaligen Fledermaus-Bar,
in der zu jener Zeit gerade der "Jazzherbst" veranstaltet wurde, zu etablieren,
fühlte ich mich einerseits durchaus geehrt (ich war damals Mitte
zwanzig und erst ein paar Jahre in Wien), andererseits hatte ich einige
Vorbehalte diesem Ort gegenüber. Einen modernen Jazzklub an der Geburtsstätte
des österreichischen Kabaretts zu versuchen, in einem plüschigen
Umfeld mit widrigen technischen und infrastrukturellen Möglichkeiten,
erschien mir zumindest (hinter)frag(ens)würdig.
Ich kann mich noch sehr genau an die ersten Konzerte erinnern: an das
Erich Quartett mit Reinhard Micko und Michael Fischer (sieben zahlende
Besucher), an das Trio von Nicolas Simion (fünf Besucher) oder an
den Auftritt von Mikulas Skuta (noch weniger, obwohl wir viele Freunde
kontaktierten) und ein paar (den Besucherzuspruch betreffend) ähnlich
ärmliche Veranstaltungen mehr. Der Beginn schien meine anfängliche
Skepsis zu bestätigen. Doch plötzlich spielte Max Nagl vor übervollem
Haus (behördlich wurde die Kapazität mit einhundert Personen
festgesetzt), das mehrtägige "Porträt" von Wolfgang Puschnig
wurde zum Publikumsmagneten.
Plötzlich stellten wir auch positiv fest: Der von uns anfangs beargwähnte
Samt an den Wänden bereitete der verstärkten Musik eine sehr
gute Akustik. Zwei Metalltüren, die wir so nicht dort eingebaut hätten,
sorgten unverhofft dafür, daß die Hausbewohner nichts von den
nächtlichen Umtrieben mitbekamen. Die magistratischen Instanzen ließen
uns gewähren. Die Besucher fühlten sich wohl und die Musiker
sich geschätzt. Schließlich verliebte ich mich geradezu in den Raum.
Einige Jahre später: Das P&B avancierte inzwischen zum festen Bestandteil
der heimischen und internationalen Jazzszene, "unmögliche" Projekte
wurden mit viel Überzeugungsaufwand realisiert (versuchen Sie einmal
einen Pianisten zu überreden, dabei mitzuhelfen, den gestimmten Flügel
von der Bühne in den Besucherraum hinunterzuhieven, damit seine Musiker
auf der Bühne Platz finden!); und doch: Die Uhr lief, das Datum stand
fest - der auf fünf Jahre limitierte Pachtvertrag würde in absehbarer
Zeit auslaufen.
Und mit einem Mal bietet sich die Chance, einen neuen, viel flexibleren
Raum zu kreieren - einen Raum, der gestaltet werden kann, der letztlich
ganz neu geschaffen wird, um dieser Musik, die, wie gesagt wird, zu den
wichtigsten Errungenschaften des zwanzigsten Jahrhunderts zählt,
zu einem dieser Bedeutung adäquaten Umfeld zu verhelfen. Trotz vereinsinterner
Auffassungsunterschiede entschieden wir uns für dieses Wagnis.
Christoph Huber |