Fr 28. September 2018
20:30

Karlheinz Miklin Trio (A)

Ewald Oberleitner: bass
Karlheinz Miklin: saxophone
Karlheinz Miklin jr.: drums

Ewald Oberleitner: Der Mann im Hintergrund

Als wir dem besonnenen Jazzmusiker das erste Jubelporträt widmeten, war dieser noch um fünf Jahre jünger als unsereins heute. Zu seinem 50er hatte uns der Herr mit dem archaischen Lächeln schon damals in den Notizblock diktiert, dass er sich deshalb nie um eine eigene Band gekümmert habe, weil "das zu viel Stress beim Organisieren" sei.

In der Zwischenzeit sollen angeblich 25 Jahre ins Land gezogen sein, und an Ewald Oberleitners Aussehen und Grundsatz hat sich noch immer nichts geändert. Langsam müssen wir uns wohl damit abfinden, dass es auch im nächsten Vierteljahrhundert kein Ewald Oberleitner Quartett oder Quintett oder was sonst noch geben wird.

Aber bei der nicht enden wollenden Liste an Musikern, mit denen er seit dem 16. Dezember 1957 - dem Tag, an dem Ewald Oberleitner in irgendeiner Münchener Bar durch eine glückliche Fügung Bassist geworden ist - zusammengespielt hat, wäre sich auch wohl kaum eine eigene Band ausgegangen.

Nicht zu vergessen all die Spiele von Sturm Graz, denen er zwischendurch als bekennender Anhänger unbedingt beiwohnen musste.

Nein, nein, seine untrügerische Individualität hat er indes ganz in den Dienst der Integration des jeweiligen Genres gestellt, das um seine Gunst bat. Nichts war ihm je zu fremd, nichts je zu fern, um es musikalisch auszukundschaften. Vom Dixieland über Hardbop bis zum Free Jazz, vom Duo bis zur Big Band hat der 75-jährige Bassvirtuose alles und überall gespielt. Halt! Nur Funkmusic, diesen knackigen, slappigen E-Bass, davor hat er sich stets erfolgreich gedrückt.

Jazzgeschichtlich bedeutender ist es freilich, dass Ewald Oberleitner schon Anfang der Siebziger zusammen mit Dieter Glawischnig und John Preininger begann, im legendären Trio "The Neighbours" die tradierten Strukturen des Jazz aufzubrechen und für internationale Furore zu sorgen. Dort, im freien Spiel der reinen Improvisation, fühlt sich der gebürtige Leobener bis heute auch so richtig zu Hause. (Othmar Klammer, 2012)