Do 5. April 2018
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Rufus Wainwright (USA)

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Rufus Wainwright: vocals
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Zu den edelsten Aufgaben des Künstlers zählt seit jeher, dem konventionell sozialisierten Bürger die Schönheit des Scheiterns näherzubringen. Kaum jemand im heutigen Pop kann das souveräner als Rufus Wainwright. Seine barock anmutenden Songs kollidieren mit den Vorgaben des Formatradios. Wainwright nimmt es gelassen. Schon als junger Mann war der heute 40-Jährige ein Meister der Selbstvergeudung. Er probierte sich in Exzessen jeder Art, goss das Erlebte in markante Melodien. In den Siebzigerjahren hätte er mit seinen emotional überbordenden Liedern wohl den Äther dominiert. Aber leider...

Wenigstens in seinen Konzerten funktioniert seine Kunst bestens. Nur kurz kokettierte er zu Beginn seines Soloauftritts in Wien damit, dass er von den Radios praktisch ignoriert wird. Doch dann schmetterte er den enthusiasmierten Fans mit viel Verve seine stets dramatischen Lieder von „The Art Teacher“ bis „Cigarettes and Chocolate Milk“ entgegen.

Böse Liza-Minnelli-Parodie
Mit „Kaum einer erreicht etwas, kaum einer verdient etwas, trotzdem geht alles irgendwie weiter“ definierte der deutsche Schriftsteller Wilhelm Genazino die „Dialektik des Deliriums“. Wainwrights Laufbahn entspricht dieser Formel. Seine Oper „Prima Donna“ spielte knapp die Kosten ein. Nun plant er eine zweite, die durch Crowdfunding finanziert werden soll. Auch sein ehrgeiziges Projekt von 2006, eine Neuauflage des Carnegie-Hall-Konzerts von Judy Garland vom 23.April 1961, war kein kaufmännischer Erfolg. Immerhin ein künstlerischer Triumph, der allerdings eine Fehde mit Garland-Tochter Liza Minnelli zur Folge hatte. Die Wut darüber schrieb sich Wainwright in „Me And Liza“ von der Seele. Dafür holte er im Museumsquartier seine Halbschwester Lucy vor den Vorhang. Sie gab eine maliziöse Minnelli-Parodie. Ein wenig später tänzelte ein halb nackter Roadie mit Boxhandschuhen über die Bretter, stellte sich als Rocky Balboa vor: Hohe Kunst und Schmierentheater, bei Wainwright können sie sich durchaus überschneiden. Das zur Gitarre vorgetragene „Out of the Game“ mit dem köstlichen Refrain „Does your mama know what you're doin'?“ war ein weiteres Highlight. In einer gerechteren Welt wäre dieser Ohrwurm ein Welthit.

Dass am Ende noch der „Gay Messiah“zu Discokugelblitzen à la Studio 54 herabstieg, war Pflicht. In gebotener Glockenhelle versicherte er: „No it will not be me, Rufus the baptist, I be.“ Danach streifte er mit hochtoupierter Stimme durch Cohens „Hallelujah“. Bipolarer kann man nicht singen: Rufus Wainwright bewies, dass er in den Gebärden der Euphorie ebenso zu Hause ist wie in den Gesten der Enttäuschung. Standing Ovations. (Samir H. Köck, Die Presse, 31.03.2014)

Stehplatz: 41.- €, Sitzplatz auf der Galerie: 47.- €, 10.- € Ermäßigung für MemberCard-Inhaber
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