So 9. April 2017
20:30

Christian Scott aTunde Adjuah (USA)

TICKETS:

Christian Scott: trumpet, reverse flugel, sirenette
Logan Richardson: alto saxophone
Zaccai Curtis: piano
Max Mucha: bass
Corey Fonville: drums

Das kommt insgesamt heftig daher, aber Christian Scotts Ideen sind unterschwellig eher elegisch, und sie breiten sich gerne auf großen Akkordflächen aus. Scott ist einer jener Instrumentalisten, deren Ton jedoch auch knackige Präsenz entfalten kann, einer, der sich aber auf diesen zwei CDs auch Zeit nimmt, Stimmungen zu entwickeln und seine überzeugende Technik sehr musikalisch und dies auch abstrakt umzusetzen. Scott (1983 in New Orleans geboren) ist hier natürlich auch auf der Suche nach seinen Wurzeln, weshalb er sich auch - das Cover zeigt es - eher schillernd kleidet. Es geht um afrikanische und indianische Traditionen, die der Trompeter thematisiert und musikalisch überzeugend umsetzt. (tos, Rondo, DER STANDARD, 31.8.2012)

Zwischen Trauer und Wut: Jazz-Hoffnung Christian Scott Christian Scott wird als die große schwarze Hoffnung der Jazzmusik gehandelt. Nicht wenige Experten vergleichen den Trompeter und Komponisten mit seinem Idol Miles Davis. Nicht nur wegen des ausdrucksstarken Klanges seiner Trompete, auch wegen Scotts Haltung zur Welt. Sich selbst sieht der aus New Orleans stammende Shootingstar zwar nicht als politischen Künstler, aber Ereignisse rund um den Hurrikan "Katrina", der seine Geburtsstadt zerstörte und die sozial Schwachen noch weiter ausgrenzte, oder auch der Irak-Krieg haben Scott zu seinem zweiten Album "Anthem" inspiriert. Die Stimmung auf Nummern wie "Litany Against Fear" schwankt zwischen Trauer und Wut, zwischen Agitation und Nachdenklichkeit. Passenderweise rappt auf einer von zwei Versionen des Titeltracks Brother J von den Brooklyner Polit-Hip-Hoppern X-Clan. Stilistische Offenheit Richtung Rock und Rap ist für Scott, der mit Funk und R'n'B unterschiedlicher Provenienz aufgewachsen ist und auch schon mit Prince zusammengearbeitet hat, ein zentrales Element seiner Musik. Morgen live mit Quintett. (dog/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 1. 2008)